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Arequipa

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Reisebericht aus meinem Blog: <a href="http://www.elsenorinperu.wordpress.com" title="www.elsenorinperu.wordpress.com">www.elsenorinperu.wordpress.com</a>

Vorheriger Teil: Titikakasee

'Angekommen in Puno schnappen wir uns dann auch gleich unser Gepäck aus dem Hostel, gehen noch einen Happen Essen, zwei Stunden im Café gammeln und dann auch schon wieder weiter zum Busterminal…'

Diesmal geht es über Nacht in die nächste Stadt unserer Wahl und damit auch gleichzeitig ins letzte kleine Abenteuer auf unserem Trip. Arequipa nennt sich diese Stadt übrigens und in Insider-, Liebhaber-, Touristen-, Einheimischen- und anderen Kreisen wird sich auch als die weiße Stadt gehandelt. Wenn ihr euch meine Fotos bei Flickr mal anschaut, werdet auch ihr euch sicherlich zu einem dieser Kreise zurechnen können.

Ein passendes Hostel ist schnell gefunden, das Frühstück natürlich auch und so kann es auch schon relativ schnell zur Besichtigung Arequipas übergehen. Bei strahlendem Sonnenschein zwischen all den weißen Kolonialbauten fühlt man sich schon mal geschätzte 100% glücklicher als in Lima bei gleichen Bedingungen. Denn das Leben hier ist irgendwie anders: Weniger Verkehr, die Menschen sind auch ganz anders drauf und die ganze Stadt an sich ist einfach nur ein Traum. Für mich ist Arequipa noch weit vor Trujillo die schönste Stadt Perus. Zu unseren Stationen bei der Besichtigung gehören neben dem eindrucksvollen Plaza de Armas (Stadtplatz), dem belebten Markt mit frischen Früchten, Fleisch und allerlei anderen Dingen auch das Museum mit Juanita, der Prinzessin aus dem Eis. Dies ist größtenteils realtiv unspektakulär, schon alleine deswegen, weil unser Guide eine absolute Schlaftablette ist. Eindrucksvoll ist nur das Ende der Führung: eine Art Gefriertruhe aus Glas, in der die kleine Juanita schlummert, die vor ein paar Jahren in einem Gletscher in den arequipenischen Anden gefunden wurde.

Bereits sichtlich erschöpft klappern wir noch einige Reiseagenturen ab, um uns über mögliche Ausflüge in den Colca Canyon, oder zu spanisch Cañón del Colca, für die kommenden Tage zu informieren. Schnell wird aber klar, dass der Lonely Planet Recht haben und man die klassische zweitägige Trekkingtour auch mit Hilfe der öffentlichen Verkehrsmittel, dafür aber ohne Hilfe eines Guides günstiger realisieren könnte. Mit eben diesem Plan in der Tasche und einem kleinen Zwischenstop in einem Restaurant machen wir uns auch wieder auf den Rückweg ins Hostel, um uns ein bisschen vom stressig schönen Tag zu erholen. Die kleine Siesta wird jedoch relativ bald schon wieder unterbrochen, weil wir uns noch dazu entschließen, auf dem Markt frisches Obst und Brot für unseren kleinen Trip am kommenden frühen Morgen zu kaufen. Danach geht’s dann aber wirklich ins Bett.

Denn um kurz vor 3 Uhr in der Nacht klingelt auch schon wieder der Wecker. Mit dem Taxi geht’s ab zum Busterminal, wo wir auf der Suche nach einem Bus in den Colca Canyon auch schon schnell fündig werden. Im Bus geht’s dann ein paar Stunden durch holperiges Gelände, schlafen nahezu unmöglich. Unser eigentliches Ziel ist Cruz del Condor, der Aussichtspunkt zum Beobachten von Condoren. Der Andencondor ist übrigens der größte flugfähige Vogel der Welt. Da wir jedoch ganz perulike mal wieder Verspätung haben, verpassen wir die Ausflugszeit um eine knappe halbe Stunde. Netterweise schildert man uns aber, dass man vor ca. 30 Minuten gut 15 Condore hätte sehen können, die sehr nah an einem vorbei flogen. Naja, bei uns sind es dann leider nur sieben, die auch nicht ganz so nah vorbei schweben, aber immerhin noch nah genug, um über deren Größe erstaunt zu sein.

Weiter geht’s dann zu Fuß. Immer wieder aufs Neue von Condoren begleitet wandern wir bis kurz cor Cabanaconde. Im Lonely Planet heißt es nur, dass man bis hier hin laufen könne. Dass das dann aber gut zwei Stunden zu Fuß sind, hatte man wohl vergessen niederzuschreiben. Wir entscheiden uns dann auch gleich für den Abstieg in den zweittiefsten Canyon der Welt, um nicht noch von der Dunkelheit überrascht zu werden. Der tiefste Canyon der Welt ist übrigens nicht der Gran Canyon in den USA, sondern der Cañón del Cotahuasi. Der befindet sich auch in Perú, etwa 12 Stunden von Arequipa entfernt und ist wie der Colca Canyon rund doppelt so tief wie der Gran Canyon.

In unserem Fall legen wir die ca. 1.000 Höhenmeter in gut drei Stunden zurück, ehe wir an der Brücke im Tal von zwei Frauen abgefangen werden, die uns Essen und eine Unterkunft für die Nacht bieten; also wieder bergauf ins kleine Paradies. Denn diese Frauen besitzen ein kleines aber grünes Grundstück am Hang, dass sich Roy nennt und auf dem sie mehrere kleine Hütten für Gäste errichtet haben. Ein kleiner Bach fließt mitten durch das Grundstück und rundet die idyllische Stimmung gekonnt ab. Extrapunkt ist, dass es keinen Strom gibt und deshalb mit Solarkraft geduscht und bei Kerzenschein diniert wird. Hier treffe ich übrigens auch auf eine nette und kleine französische Familie, die 56! Tage lang durch Perú reist.

Am nächsten Morgen geht es dann einen steilen Hang hinauf bevor es die nächsten zwei Stunden mit dem Ziel Oase eher eben beziehungsweise bergab geht. Durch kleine Dörfer und vorbei an anderen Wandergruppen und unseren französichen Freunden erreichen wir also relativ bald die Oase. Die Oase ist ein Grünkomplex am Fluss, der das Canyontal durchschneidet. Pools umgeben von Palmen, Hütten zum Übernachten und kleine Bars laden uns schließlich zum Mittagessen, Schwimmen und Relaxen ein. Ehe wir uns dann wieder an den Aufstieg wagen. Man sagt uns, dass geübte Wanderer rund drei Stunden und ungeübte eher vier für die 1.000 Höhenmeter bräuchten. Wir meistern den Aufstieg, der viel härter als beispielsweise der Camino Inka und mit Sicherheit eine der härtesten Erfahrungen meines Lebens ist, in gerade einmal zwei Stunden, zehn Minuten!

Erschöpft und ausgetrocknet oben angekommen stürmen wir zunächst in den nächsten Laden und kaufen sämtliche Getränke leer. Im Anschluss wollen wir dann gleich den Nachtbus zurück nach Arequipa buchen. Der fährt allerdings nicht, weil die Busfirma ausgerechnet heute Geburtstag feiert. Glücklicherweise gibt es jedoch noch einen Bus um halb 2 in der Früh, in dem wir auch noch Platz finden. Jedoch ist es in Cabanaconde arschkalt und so handeln wir schließlich mit einem Hostelbesitzer einen Preis für eine warme Dusche und fünf Stunden Bett aus. Ein bisschen komme ich mir ja schon vor wie im Stundenhotel, aber was soll’s.

Angekommen in Arequipa verbringen wir die restliche Zeit mit einem Besuch im Monasterio, dem alten Kloster Arequipas. Das Kloster ist auch jeden Cent des Eintrittsgeldes wert. Kleine Gassen führen einen von Zimmer zu Zimmer und bei strahlendem Sonnenschein laden die vielen Sitzgelegenheiten zum entspannten Chillen ein. Man könnte ohne Probleme einen kompletten Tag im Monasterio verbringen. Im Anschluss heißt es dann aber ‘Adiós Arequipa!’ und ab zum Busterminal. 15 Stunden Fahrt über Nacht nach Lima warten nochmal auf uns. 15 Stunden, in denen ich eigentlich vor habe zu schlafen, denn am nächsten Morgen habe ich ja wieder Vorlesungen. Aber falsch gedacht! Es wird nämlich eine Horrorbusfahrt. Über die kruvenreichen Andenpassagen leisten sich drei Busse anscheinend ein Wettrennen und das ganze auch noch bergab. Links von uns der Abhang bei Nacht, rechts steile Hänge und ein Busfahrer, der vor allem in Kurven Gas mit Bremse verwechselt. Festgekrallt in meinen Sitz kann ich kaum ein Auge zudrücken. So eine Angst hatte ich noch nie in meinem Leben. Vielleicht kennt ihr das ja, wenn noch einmal euer ganzes Leben an euch vorbei zieht. Ich jedenfalls nicht, denn ganz so schlimm war es dann auch wieder nicht.

Euer el Señor…

Letzter Teil!

Kommentare

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