Kilimanjaro - immer wieder
Kilimanjaro – immer wieder
Hätte mir jemand vor zwei Jahren gesagt, ich würde eines Tages auf den Kilimanjaro steigen, hätte ich wahrscheinlich nur gelacht. Für mich hatte der Kilimanjaro schon immer eine magische Wirkung, aber meinen Urlaub mit Bergsteigen zu verbringen, war für mich nicht vorstellbar. Schon auf meinen letzten Reisen hatte ich die Leute bewundert, die gerade von einer Kili Besteigung kamen, doch eher für verrückt erklärt.
Auf meiner letzten Safari im Januar 2008 erzählte unser Team uns aber eine Menge über die Kilimanjaro Besteigung, dass man nur sehr langsam laufen sollte, um den Körper optimal anzupassen und wenn man keine gesundheitlichen Beschwerden hätte, wäre eine Besteigung für jeden machbar. In mir begann ein Wandel, ob ich es nicht mal doch wagen sollte und so trat ich fast genau ein Jahr später im Februar 2009 meine Reise nach Tanzania an.
Ich hatte mir vorgenommen viel zu trainieren. Hatte in vielen Reiseberichten nachgelesen, wie man sich am Besten vorbereitet. Gut, ich bin nicht unsportlich, aber die Kondition einen Berg in der Schweiz in einem Zuge zu erklimmen, habe ich lange nicht. Also nahm ich mir viel vor… aber dabei blieb es dann auch. Ich schaffte es zweimal die Woche auf dem Laufband eine Stunde lang mit viel Steigung zu laufen, das war es dann aber auch. Als ich hörte, dass meine Mitstreiter vier Franzosen waren, wovon drei Marathonläufer sind, bekam ich doch Bammel, aber es sollte alles klappen.
Wir waren mit Furahia Tanzania Safari & Trekking Ltd. unterwegs, mit denen ich schon einige Male auf Safari war. Die Qualität der Reisen, die sorgfältige Planung, der Service und die Freundlichkeit hatten mich schon immer überzeugt und so führte uns auch dieses Mal das Team von Furahia Tanzania zum Gipfel.
Geplant war die Machame Route, die wir an einem Sonntag antraten. Unser Team bestand aus über 20 Trägern, Köchen, Hilfsköchen, Guides usw., die mit vier Franzosen und einer Deutschen das Abenteuer begannen. Ich hatte mir immer gewünscht den Gipfel zu erreichen, dennoch völlig realistisch mir keinen Druck gemacht, denn Höhenkrank kann man ja auch werden und dann bleibt der Gipfel immer fern. Ich machte mir also keine großen Gedanken, was irgendwann mal kommen könnte und stiefelte gemütlich den anderen hinterher, nachdem alle Lasten verteilt waren. Ich machte viele Fotos und auch einen Film, blieb dadurch oft stehen und ging auch nur ganz langsam. Dadurch kam meine restliche Gruppe oft mal eine halbe Stunde vor mir an, aber durch die Vielzahl von Guides, hatte ich immer meine Begleiter die mir immer sagten, mach dein Tempo und renn den Marathonläufern nicht hinterher. Diesen Rat befolgte ich auch die nächsten Tage.
Das Wetter war schön und der erste Aufstieg durch den Regenwald urig. In den Bäumen saßen Colubusaffen und der Weg schlängelte sich mit ganz sachter Steigung der Baumgrenze entgegen. Als wir diese am Nachmittag erreichten war es schon deutlich kühler und im Machame Camp auf 2.990m wartete schon unser Team. Die Zelte standen bereits und im Verpflegungszelt warteten Tee und Kekse auf uns. Nach einem super Abendessen wartete noch eine Wilkommen Torte auf uns, die mühsam den Berg heraufgetragen wurde.
Das mit den Zelten und dem Träger Team ist sowieso immer eine Leistung für sich. Was diese Männer leisten ist kaum in Worte zu fassen. Man verlässt das Camp und alle Zelte sind noch aufgebaut und wenn man im nächsten Camp ankommt, steht schon alles so da, wie man es verlassen hat. Man quält sich manchmal ganz schön träge mit nur einem kleinen Tagesrucksack den Berg hinauf und von hinten überholen einen die Träger, die viel mehr Last tragen müssen, als würde sie nichts aufhalten können. Und es muss ja gerade auf der Tour alles mit auf den Berg, angefangen bei den Zelten, den Gepäckstücken bis hin zu den Eiern.
Und es war immer alles da, es fehlte nie etwas.
Am zweiten Tag fing es nach kurzer Zeit an zu regnen und es blieb den ganzen Tag so. Riesige Wolkenschwaden überholten uns, die mit einem riesigen Tempo vorbeizogen. Man lernt schnell, dass man ein Foto gleich machen sollte wenn man ein Motiv entdeckt hat. Ist man beim Auspacken der Kamera zu langsam kann es sein, dass man in einer Wolke steckt und nichts mehr sieht. Trotz Regencapes dringt die Feuchtigkeit irgendwann in die Glieder und alles wird klamm. Der Weg war hügelig aber sehr angenehm zu laufen, später wurde es durch den Regen etwas rutschig. Am Nachmittag erreichten wir das Shira Camp auf 3.840m und waren froh uns endlich trockene Sachen anziehen zu können und einen heißen Tee zu trinken.
Nach einer kühlen und feuchten Nacht wachten wir auf mit Sonnenschein. Vom Shira Plateau sah man den Gipfel des Kilimanjaro der in der Sonne glänzte. Es war ein traumhaftes Bild der einen dazu ermutigte die nächste Etappe anzugehen. Durch die permanente Feuchtigkeit des Vortages machte die Videokamera schlapp. Nur mit Mühe konnte ich einige Tropfen entfernen und nach einer halben Stunde in der prallen Sonne, filmte sie auch wieder. Das machte mir solche Sorgen, dass ich mich entschied die nächsten Nächte immer mit allen Kameras im Schlafsack zu schlafen. Der Weg führte an diesem Tag etwas steiler den Berg auf. Jede Bewegung wird anstrengender und man kann immer nur eine Sache machen, entweder laufen, oder erzählen oder Bonbon lutschen. Parallel ist nichts mehr möglich. Gegen Mittag erreichten wir eine Wegkreuzung an der man entweder gleich direkt zum Barranco Camp weiterlaufen konnte oder den Umweg über den Lava Tower auf 4.600 m nahm. Wir entschieden uns wegen der besseren Akklimatisierung für den Aufstieg zum Lava Tower. Nach kurzer Rast und Picknick stiegen wir den steilen Weg hinab zum Barranco Camp auf 3.970m. Diese Höhenmeter in der kurzen Abstiegszeit machten mir ganz schön zu schaffen und ich bekam rasende Kopfschmerzen, so dass ich mich im Camp sofort hinlegte aber nach dem Abendessen war alles wie weggeblasen. In der Nacht musste ich raus und war überwältigt von dem Nachthimmel. So viele Sterne hatte ich noch nie gesehen und die Sicht ins Tal war klar. Man konnte jedes Licht sehen aber am nächsten Morgen war alles wieder zugezogen.
Am Morgen hatten wir Raureif auf dem Zelt. Es war in der Nacht sehr kalt und ich wärmte nun meine Füße und Hände in der schönen warmen Wasserschüssel die wir jeden Morgen und Abend zum Zelt gebracht bekamen. Das Camp lag an einer steilen Felswand, die wir nun erklimmen mussten und nicht nur wir sondern auch alle Träger. Es ging nachher leichter als gedacht, da viele Leute unterwegs waren und der Rückstau gern gesehene Ruhepausen zur Folge hatte. Oben angekommen hatten wir einen wunderbaren Blick zum Gipfel des Mount Meru und zu den Lavawüsten des Kilimanjaro die wir nun durchquerten. Gegen Mittag sahen wir das Karanga Valley Camp. Doch zuvor mussten wir noch eine tiefe Schlucht hinabsteigen um diesen Weg auf der anderen Seite wieder hochzusteigen. Da fragt man sich dann, warum man erst abgestiegen ist aber des hilft eben den Körper zur Akklimatisierung. Im Camp machten wir Picknick und danach ging es weiter zu unserem letzten Camp. Die Schritte wurden immer langsamer und kleiner. Sehr oft suchte ich nach Felsen zum hinsetzen. Am Nachmittag konnte man die kleinen Klohäuschen des Barafu Camps auf 4.600m erkennen aber sie kamen einfach nicht näher. Ich hatte mich von meiner Gruppe getrennt und war mit einem Guide und einem Hilfsguide unterwegs. So hatte ich keinen Druck und konnte so langsam wie ich wollte laufen. Mit meinen letzten Kräften kletterte ich die letzte Steigung zum Camp hoch. Mehr hätte ich an diesem Tag nicht mehr geschafft. Und die Nacht sollte nur ganz kurz werden. Ich hatte aber keine weiteren Beschwerden. Wir aßen dann Abendbrot, wo ein paar meiner Mitkletterer die ersten Ausfall Erscheinungen bekamen. Danach hatte ich erst recht keinen Hunger mehr. Schnell kletterten wir in die Zelte, doch so wie in diesen verbleibenden Stunden vor dem letzten Aufstieg hatte ich noch nie gefroren. Es war so kalt und ich rutschte auf meiner Matratze immer wieder, da das Zelt leicht schräg stand. Um halb 11 wurden wir wieder geweckt.
Ich zog mir meine dicksten warmen Sachen an und stand dann kurz später mit zweimal Skiunterwäsche, Fleeceanzug, Skihose, noch einer Fleecejacke, Skijacke, Fleecemaske und Mütze am Verpflegungszelt wie ein Michelinmännchen. Essen konnte ich nichts mehr. Wir bekamen noch ausreichend Wasser und begannen den Aufstieg. Nach nur 15 Minuten ging mir das erste Mal der Schnürsenkel auf. Das war vorher noch nie passiert, aber jetzt. Zum Glück musste ich nichts machen und die Guides machten mir den Schuh zu. Nach weiteren 15 Minuten trennte ich mich von meiner Gruppe, da mir diese einfach zu kontinuierlich lief und ich mehr Pausen brauchte. Ich lief mit unserem Guide Joachim und einem Hilfsguide weiter. In den sieben Stunden die dann folgten, besuchte ich dann wohl jeden Felsen den mehr der Kilimanjaro zu bieten hatte. Ich ließ mich immer nur noch fallen, doch nach 20 Sekunden hatte ich immer wieder neue Energie weiterzulaufen. Doch auch nur weitere 15 Meter und dann suchte ich den nächsten Felsen. Nach der Hälfte der Zeit fing ich an auf jedem Felsen einzuschlafen und musste immer wieder geweckt werde, sogar im Laufen schlief ich ein. Gegen Sonnenaufgang erreichte ich mit meinen letzten Kräften den Kraterrand. Joachim beglückwünschte mich und sagte wir können gerne noch weiterlaufen zum Uhuru Peak, ich hätte aber auch schon hier den Kilimanjaro bestiegen. Ich schleppte mich dann noch Schritt für Schritt am Gletscher vorbei, der in der Sonne leuchtete. Der Sonnenaufgang hinter mir über dem Mawenzi war traumhaft. Ich saß wieder auf einem Stein als mir meine Gruppe von Uhuru Peak entgegen kam, die den Kraterrand rund eine Stunde vor mir erreichten. Sie kamen auf mich zu und ihre Gesichter waren total leer. Die sonst so motivierten Männer waren so kaputt und konnten kaum mehr gerade stehen. In diesem Moment entschied ich mich mit Ihnen umzukehren und mit den letzten Metern nicht mehr meine Gesundheit zu riskieren.
Der Weg hinunter führte uns über Geröllwüsten auf denen man mehr rutscht als läuft und nach rund drei Stunden erreichten wir wieder das Barafu Camp, wo wir mit leckerem Saft begrüßt wurden. Nach ein paar Stunden Schlaf und einem leckeren Mittag ging es weiter hinunter zum Mweka Camp auf 3.100m. Die Füße waren teilweise ganz schön lahm, doch der Weg wunderschön und die Vegetation nahm mit jedem Meter wieder zu.
Unser letzter Tag brach an. Bei strahlendem Sonnenschein und einem phantastischen Blick zurück auf den Gipfel verließen wir das Mweka Camp. Alle Guides, Köche und Helfer sangen für uns noch das Kilimanjaro Lied. Wir stiefelten hinab die letzten Kilometer zum Gate. Dort holten wir uns unsere Urkunden ab und bekamen zum Abschluss noch einmal einen super leckeren Kuchen, in Kilimanjaro Form.
Rückblickend war es eine super Tour. Man vergisst alle widrigen Umstände, den Regen, die Kälte und am Ende zählen nur die positiven Eindrücke und das einmalige Erlebnis. Es war bestimmt nicht meine letzte Tour und ich möchte mich nochmals bei dem ganzen Team von Furahia Tanzania bedanken, die uns eine so tolle Tour ermöglicht haben.


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