Selva
Reisebericht aus meinem Blog: <a href="http://www.elsenorinperu.wordpress.com" title="www.elsenorinperu.wordpress.com">www.elsenorinperu.wordpress.com</a>
Die Reise beginnt an einem wunderschönen Sonntag Abend. Ejetur sollte uns eigentlich im Bus bis nach Yurimaguas bringen und das ganze in schlappen 32 Stunden. Das daraus nichts werden würde, war uns ja schon im Voraus klar und deshalb nehmen wir ihnen auch die Stunde Verspätung bei der Abfahrt nicht krumm. Das am Ende aber knapp 40 Stunden Fahrtzeit auf der Uhr stehen, hätten wir uns in unseren lustigsten Träumen nicht ausmalen können. Wie es dazu kam? Verfahren, ziemlich lange Essenspausen, wegen Bauarbeiten zeitweise geschlossene Straßen und zu guter letzt ein Überfall.
Jap, richtig gehört, ein Überfall. Mitten in der Nacht auf einer Straße im Dschungel hält der Bus plötzlich an. An sich nichts ungewöhnliches bei den vielen Mautstellen unterwegs. Als dann aber das Licht ausgeschaltet wird, die Fahrer aussteigen müssen und mit lautem Geschrei dazu aufgefordert werden, sich auf den Boden zu legen, beginnt der ein oder andere schon einmal sich zu wundern und unruhig zu werden. Schließlich bricht ein kleines bisschen Panik aus und alle beginnen, ihr Geld und ihre Handies unter bzw. in den Sitzen oder in den Lüftungsschlitzen zu verstecken. Da sie meinen, dass uns die Banditen alles nehmen werden, beginnen auch wir, unsere Wertsachen zu verbunkern. Spätestens beim Anblick der Pistolen wird nun aber auch uns klar, dass das hier ziemlich ernst werden könnte. Schließlich steigt einer der Räuber in den Bus ein und schreit uns an, wir sollen ihn nicht anschauen. Mit langsamen Schritten nähert er sich dem vorderen Teil des Busses, in dem wir sitzen. Er brüllt, dass nun alle Männer aussteigen sollen. Kurz vor meinem Sitz macht er Halt, weil sich ein junger Mann schräg gegenüber von mir umgedreht hatte. Mit seiner Knarre knapp vor meinem Kopf rumfuchtelnd brüllt er: ‘Was schaust du mir ins Gesicht, hijo de la puta!’ Er wird aufgefordert, auf der Stelle seine Taschen zu leeren. ‘Was, mehr als 10 Soles (2,50€) hast du nicht?! Wo ist dein Handy?’ Er wird gezwungen auszusteigen. Plötzlich Schüsse aus dem Wald. ‘Vamos, vamos, vamos!’ und die Bandidos verlassen fluchtartig den Bus. Immer mehr Schüsse ertönen in der dunklen Nacht, jedoch auch immer weiter entfernt.
Nach einigen ungewissen Minuten geht schließlich wieder das Licht an und ein kleines Aufatmen geht durch den Bus, zumindest durch den halben. Denn als wir uns umdrehen, stellen wir fest, dass der komplette hintere Teil ab Beginn der Tür ausgestiegen war; Männer, Frauen, Kinder und Babies mussten all ihr Geld abdrücken. Passiert ist aber zum Glück niemandem etwas. Doch als die Autos ihre Lichter wieder einschalten, wird das Ausmaß der Straßenblockade schnell ersichtlich: 6 Reisebusse, mehrere Autos, Taxen und LKWs hatten etwa 10-15 bewaffnete und maskierte Männer überfallen. Auf die Frage, woher die Schüsse denn kamen, meinten die meisten, dass sich die Bandidos intern beschossen hätten, um nicht teilen zu müssen. Daraufhin meint jemand: ‘Schon ein bisschen dumm, diese Bandidos’ und schließlich beginnt der ganze Bus zu lachen; ’schon ein bisschen verrückt, diese Latinos’ meine ich daraufhin leise. Die Polizei meint zu dem Vorfall übrigens nur, dass das vor Weihnachten ‘normal’ sei, da dann keiner kein Geld habe. Uns haben sie jedenfalls nichts genommen, aber das war in dem Moment auch ehrlich gesagt das letzte, das mir durch den Kopf ging. Ich bin auf jeden Fall um eine Erfahrung reicher und ihr um eine nette Geschichte.
Die Weiterfahrt verläuft dann übrigens wieder ziemlich ruhig. In Tarapoto müssen wir dann zwar nochmal eine gute Stunde auf den Anschlussbus warten, aber bei bis dahin 36 Stunden ist dir das auch ziemlich egal.
In Hängematten den Amazonas entlang
Am frühen Morgen kommen wir dann also endlich in Yurimaguas an, wo wir sogleich ein Mototaxi zum Hafen nehmen. Doch hier gibt’s auch sofort die nächste Überraschung: Die Fähre, die uns eigentlich gegen Abend nach Iquitos schippern soll, legt erst am kommenden Nachmittag ab. Naja, was soll’s sagen wir uns und machen uns auf die Suche nach einem geeigneten Hotel. Mit Hilfe unseres Fahrers, Marcelo, ist das auch gleich gefunden. Nach einem reichhaltigen Frühstück, einer Besichtigung des Stadtplatzes, zwei Sessions im Internetcafé, einem leckeren Mittag-/Abendessen und mehreren Spaziergängen am Fluss entlang sind wir schließlich müde und vom heißen Tag gebeutelt.
Yurimaguas ist ziemlich klein und es gibt daher auch nicht wirklich viel zu sehen. Deshalb machen wir uns am nächsten Morgen auch ziemlich früh auf den Weg zur Fähre, um uns einen guten Platz für unsere Hängematten zu sichern. Die hatten wir neben Essbesteck und reichlich Wasser bereits am Vortag ersteigert. Der gute Platz ist ziemlich schnell gefunden und mit der Hilfe von Marcelo sind die Hägematten im obersten Stockwerk auch leicht befestigt. Neben zwei Decks für Hängematten, einem Bereich mit Kabinen und einer Küche bietet die Eduardo III auch Platz für Kühe, Motorräder, Lebensmittel und Bier. Da Iquitos wie bereits erwähnt die größte Stadt der Welt ist, die nicht über die Straße erreichbar ist, wird hier eben alles verschippert. So langsam füllt sich die Fähre auch und schnell wird klar, dass wir auf diesem Trip nicht die einzigen Gringos sind. Die schlappen 12,50€ für den zwei-tages Trip inklusive Essen, hat noch so manch anderen Sparfuchs bzw. Abenteurer an Bord gelockt.
Natürlich legen wir auch heute nicht pünktlich ab, dafür aber immerhin am gleichen Tag. Während der Fahrt passiert dann aber nichts spektakuläres. Hier und da sieht man delfinähnliche Wesen, die delfinähnliche Bewegungen im Wasser zelebrieren. Wie sich später per Videobeweis aufklärt, sind das in Wirklichkeit Delfine, einer davon sogar rosa. Unser Guide in Iquitos meint sogar, wir könnten uns glücklich schätzen, so viele auf einmal gesehen zu haben. Neben Delfinen gibt es aber auch eine herrliche Aussicht. Wir schippern übrigens noch nicht auf dem Amazonas. Das habe ich im Titel nur so angegeben, weil es einfach cooler klingt. Es handelt sich nur um einen ‘kleinen’ Zubringer. Neben dem Betrachten bzw. Bewundern von verschiedenen kleinen Dörfern entlang des Flusses, verbringt man ziemlich viel Zeit mit Gammeln in der Hängematte, Karten spielen oder Frühstück, Mittag und Abendessen. Während dich die Hitze in Yurimaguas noch fast erstickt hätte, herrscht während der Fahrt eher eine frische Brise bei Sonnenschein und teilweise auch Regenschauern. Die erste Nacht in der Matte ist zwar ziemlich frisch, aber dennoch bequem. Das ändert sich aber relativ bald am zweiten Tag.
Nach eben zwei Tagen kommen wir schließlich in aller Früh in Nauta an und da fast alle die Fähre hier verlassen, steigen auch wir aus und finden den Weg zum Bus nach Iquitos mit Hilfe eines Mototaxis. Die knapp drei-stündige Fahrt im Minibus erspart uns schließlich gute 10 Stunden gegenüber der Fähre. Angekommen in Iquitos erwartet uns auch schon Arci, unser Guide für die kommenden Tage. Nachdem wir alles Geschäftliche geklärt haben, führt er uns ein bisschen in der Stadt herum, die neben knall heißem Wetter allerhand zu bieten hat. Aber warum schaut ihr euch nicht einfach die Fotos bei Flickr an.
Nach dem kleinen Vorfall auf der Busfahrt nach Yurimaguas und der Aussage der Polizei haben wir uns übrigens einstimmig dazu entschieden, zurück nach Lima zu fliegen. Und wir haben sogar Glück. Denn diese Woche hat mit Peruvian Airlines eine relativ neue Airline die Strecke Iquitos-Lima ins Programm aufgenommen. Und um die Leute darauf aufmerksam zu machen, bieten sie einen sehr fairen Preis an, den wir auch gleich abstauben. Obendrauf gibt’s übrigens noch ein Wellcomeshirt. Ich bin begeistert!
Als wir wie vereinbart gegen Nachmittag wieder im Büro ankommen, um unsere Tour zu starten, gibt es leider die erste kleine Änderung. Denn der Flieger des Pärchens, dass die kommenden Tage mit uns verbringen soll, hat Verspätung. Wen wundert’s? Mich jedenfalls nicht. Schließlich brechen wir mit einem anderen Guide bereits heute auf und werden statt Camping die erste Nacht in einer näher gelegenen Lodge verbringen, um dann am kommenden Morgen die Gruppe zu vereinigen.
Die Nacht in der Lodge ist dann aber auch alles andere als unbquem. Kein Strom, leckeres Essen vom Buffet, Geschichten bei Kerzenschein und ein paar Hunde, die einem helfen, sich die Zeit zu vertreiben.
Día uno
Am nächsten Morgen treffen dann aber auch wie vereinbart Acri, unser Guide, mit Fiorella, einer Peruanerin, die in Bologna/Italien studiert, und ihrem italienischen Verlobten, Marco, der mit ihr studiert. Die beiden haben etwa unser Alter und bevorzugen die gleiche Art zu reisen. Von daher verspricht das jetzt schon, sehr lustig zu werden. Alle zusammen schwingen wir uns also ins Boot, um uns auf den Weg zum Basiscamp zu machen. An der ersten Anlegestelle gibt’s dann auch gleich die erste dicke Überraschung: ein Faultier! Und was damit machen kann, schaut ihr euch am Besten bei Flickr an.
Über den Rio Negro (schwarzer Fluss) geht’s dann noch ein Stückchen weiter in den Dschungel, bis wir schließlich an einer kleinen Anlegestelle ankommen. Hier warten eine Großfamilie in drei kleinere Holzhäuser ohne Fenster und zahlreiche Schweine, Hühner, Enten, Katzen, etc. auf uns. Da es in letzter Zeit ziemlich viel geregnet hat und wahrscheinlich auch in den kommenden Tagen immer mal wieder regnen wird, verzichten wir mal lieber aufs Campen und machen es uns lieber auf Matratzen unter Moskitonetzen gemütlich.
Noch vor dem Mittagessen machen wir uns dann ab auf die erste kleine Wanderung in den Dschungel. Bewaffnet mit einer Machete zerstückelt uns Arci den Weg. Unterwegs lernen wir viel über die Pflanzenwelt bzw. deren medizinische Anwendung, lauschen verschiedenen Tieren, ernähren uns von Larven, trinken Wasser aus Ästen und schlurfen durch kleine Bachläufe. So kann es bitte nur weiter gehen.
Nach dem Mittag geht es dann auch gleich ab zur nächsten Wanderung. Das Boot bringt uns zu einer etwa 30 Minuten entfernten Anlegestelle, von der aus wir uns den Weg von Liane zu Liane vorbei an Riesenbäumen, bis hin zu einer Lagune schlagen. Bei mittlerweile Sonnenuntergang in einem kleinen Bootchen auf einem stillen See erzählt uns Arci einige Geschichten über Anacondas, Boas, Rituale usw. Der Rückweg stellt dann allerdings eine kleine Herausforderung dar: Die Sonne ist bereits untergegangen und es beginnt ein starker Regenfall. Also Ponchos an, Gummistiefel haben wir ja eh schon an und Taschenlampen auf den Weg gerichtet. Vorbei an Schlangen und Spinnen, über rutschige Baumstämme, die uns den Weg über Bachläufe ebnen führt uns Arci die etwa 1,5 Stunden durch den schwarzen Dschungel. Immer wenn man sich umdreht, nichts als eine schwarze Wand mit allerlei Geräuschen. Völlig durchnässt erreichen wir schließlich wieder das Boot und schippern durch eine sternenklare Nacht zurück zum Camp.
Día dos
Der zweite Tag verläuft dann eher ruhig. Nach einem späten Frühstück machen wir uns auf den Weg, das Mittagessen zu angeln. Mit selbstgebastelten Angeln ausgestattet versuchen wir zunächst einige kleinere Fische mit Hühnchenfetzen zu ködern. Dies gelingt auch relativ gut bis dann auch endlich die ersten Piranhas anbeißen. Ich habe doch tatsächlich den größten erwischt, aber seht euch doch bitte selbst den Fotobeweis an. Piranhas sind hier übrigens völlig ungefährlich. Starke Bewegungen im Wasser verscheuchen sie eher, als dass sie den Hunger in ihnen wecken.
Und das ist dann schließlich auch der Grund, warum wir den Nachmittag damit verbringen, uns im Fluss vor unserem Camp zu baden. Hin und wieder knabbert schon mal ein Fisch an deinem Zeh oder deinen Nippeln, aber wirklich schmerzhaft ist das nicht. Jedenfalls haben wir mit all den kleinen Kanus, schwimmenden Inseln und der ersten Seife nach all der Schwitzerei viel Spaß.
Am Abend besuchen wir dann noch ein Localvolk weiter flussaufwärts. Hier findet gerade ein Fußballturnier zwischen verschiedenen Flussdörfern statt. Wir vertreiben uns aber die Zeit mit Volleyball und schlürfen die ein oder andere Cocosnuss leer.
Día tres
Der dritte und gleichzeitig letzte Tag ist dann aber DER Tag. Relativ früh am Morgen machen wir uns auf den Weg zu einem Tierreservat. Hier werden kranke Tiere oder Tiere, die ihre Eltern verloren haben wieder aufgepeppelt, um dann erneut in die Wildnis entlassen zu werden. Nach einem halbstündigen Marsch vorbei an den kleinsten Affen der Welt und mit Termiten, die dir über die Hand laufen und gleichzeitig als natürlicher Moskitoschutz dienen, kommen wir schließlich im kleinen Reservat an. Gleich stürmt auch schon der erste Affe auf Arci zu und beklettert ihn wie einen Baum im Dschungel. Insgesamt warten ca. 20 verschiede Affen, Ameisenbären, Faultiere, Papageien, Anacondas, Kaimane und Hunde auf unsere Ankunft. Was man damit so alles anstellen kann, schaut ihr euch aber am Besten auf Flickr an.
Im Anschluss geht’s dann auch gleich weiter im Boot raus auf den Amazonas. Hier müssen wir auch nur wenige Minuten warten, ehe etwa fünf bis zehn Meter entfernt die ersten Delfine auf- und wieder abtauchen. Bei den meisten der etwa 20 Delfine, die wir zu Gesicht bekommen, handelt es sich um rosafarbene. Diese kommen nur in diesem Teil des Amazonas vor und sind gleichzeitig die größten Delfine der Welt. Sie springen zwar nicht, kommen aber immer mal wieder an die Oberfläche, um die Sonnenstrahlen zu genießen. Zum Abschluss baden wir uns dann nochmal, dieses Mal aber im echten Amazonas; wie geil ist das denn?!
Nach dem Mittagessen heißt es dann aber wieder mal Abschiednehmen von drei richtig guten Freunden, die noch einen weiteren Tag in der Selva herumspazieren werden. Vielen Dank an Arci, der diese Tour in ein unvergessliches Erlebnis verwandelt hat und an Fiore und Marco, die dem ganzen Pepp verliehen haben!
Der Rückweg nach Iquitos führt uns übrigens nochmal über eine kleine Zuchtanlage für Kaimane und Paiche.
Euer el Señor…
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Kommentare
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